Historiker*innen gegen Hassrede

Hassrede im Internet ist als Thema allgegenwärtig. Ob Rassismus, Antisemitismus, Homophobie oder andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: In den Sozialen Medien werden oft Grenzen überschritten. Bei der Suche nach Lösungen hat man sich bislang auf die Gegenwart konzentriert. Wir meinen, dass auch die Vergangenheit ein Schlüssel zur Überwindung hasserfüllten Denkens sein kann.

Denn Geschichte – also das Bild, das wir uns von dieser Vergangenheit machen – sagt uns nicht nur, wie wir zu dem wurden, was wir sind. Sie sagt uns auch, was wir nicht mehr sind. Und sie wird zu oft von Menschen verfälscht, umgedeutet oder erfunden, um als Argument für gegenwärtige politische Forderungen oder Äußerungen zu dienen. Wir als Historiker*innen möchten historisch basierte Hassrede und Legendenbildung im Netz analysieren und deutlich machen, dass diese verfälscht, verkürzt und manipuliert. Als studierte Fachleute verfügen wir über das Wissen und die Kompetenzen, um die Verwendung von Geschichte als Argument kritisch beleuchten zu können.

Durch unsere Präsenz in den sozialen Medien bieten wir einen Anlaufpunkt für Fragen zur Geschichte und zu ihrer Verwendung. Auf der Website GeschichtsCheck.de bieten wir gleichzeitig einen Werkzeugkasten mit Informationen zu häufig verbreiteten historischen Lügen, Verfälschungen und Verfremdungen an. Ab November 2016 vermitteln wir die Kompetenzen, historische Hassrede zu erkennen, einzuordnen und zu korrigieren, in Workshops, Schulen und Webinaren.

Die Erforschung von Geschichte führt selten zu eindeutigen und festschreibbaren Wahrheiten. Auch die überzeugensten Indizien lassen oft nur eine Tendenz erkennen und machen Graubereiche sichtbar. Uns ist bewusst, dass wir mit unserem Anliegen und den von uns verfassten Inhalten nicht jeden erreichen werden. Wir wissen, dass es für einige wenige naheliegt, in der Art der finanziellen Förderung unseres Projektes einen Beleg für eine politische Steuerung oder „Umerziehung“ zu sehen. Doch das ist nicht unser Ziel. Wir möchten jene erreichen, die von der Geschichte ein Deutungsangebot für unsere Welt erhalten möchten. Diese Welt ist komplex und dementsprechend auch ihre historische Entwicklung. Im Internet gibt es eine Vielzahl von vereinfachenden bis hin zu verfälschenden Erklärungen, aber noch wenige Stimmen, die dem etwas entgegensetzen. Wir möchten dabei mitwirken, diese Lücke zu schließen. Historisches Bewusstsein bedeutet immer auch zu wissen, dass nicht immer alles so war wie es heute ist. Wir wollen dieses Bewusstsein fördern und dazu anregen, sich mit der je eigenen Geschichte fragend auseinanderzusetzen. Dabei lassen wir uns von den Grundgedanken des Beutelsbacher Konsens‘ von 1976 leiten: wir möchten niemanden inhaltlich überwältigen, unser Ziel ist es, Kontroversen klar zu benennen, und wir möchten das in einer Art und Weise tun, die für junge und alte Menschen, Schüler*innen und Menschen im Ruhestand gleichermaßen verständlich ist.

GeschichtsCheck ist ein Projekt von Open History e.V., dem Verein für eine aktive und öffentliche Geschichtswissenschaft. Es wurde in der Initialphase bis Januar 2017 von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.